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Die Geschichte

Der heutige Marktplatz mit dem Arkadengebäude und dem Zweigiebelhaus entstand erst, nachdem ein Großbrand in der Nacht vom 1. auf den 2. August 1921 mitten in der Bietigheimer Altstadt das Häuserviertel zwischen Rathaus und Stadtkirche vernichtet hatte. Neun Wohnhäuser (darunter das Mesnerhaus der Stadtkirche) und 4 Scheunen brannten damals ab.

Bürgermeister und Gemeinderat waren sich der städtebaulichen Sensibilität des Wiederaufbaus im historischen Zentrum zwischen Rathaus und Stadtkirche bewusst, verhängten deshalb zunächst gegen Widerstände einen Wiederaufbauverbot und erwarben dann alle Bauplätze.  Ende 1921 schrieben sie einen Wettbewerb aus, bei dem sich im Januar 1922 der Entwurf des Stuttgarter Architekten Adolf Abel als Sieger durchsetzte.

Adolf Abel (1882-1968), der in Stuttgart und Dresden studiert hatte, war seit Ende des Ersten Weltkriegs Assistent am Lehrstuhl von Paul Bonatz an der Technischen Hochschule Stuttgart, wo er 1921 einen eigenen Lehrauftrag bekam, den er bis 1925 ausübte.  Zugleich war er Leiter der Hochbauabteilung der Neckar AG und arbeitete freiberuflich in Sozietät mit dem Architekten Karl Böhringer. 1925 wurde Abel Stadtbaudirektor in Köln. Hier baute er u. a. die heute unter Denkmalschutz stehende Kölner Messe (Messehallen und Messeturm). 1930 wurde er an die Technische Hochschule München berufen, musste sich aber zwischen 1933 und 1945 mühsam mit Privataufträgen über Wasser halten. Nach dem Krieg erhielt er einen Lehrauftrag in Darmstadt, kehrte 1955 nach Stuttgart zurück und baute hier u. a. die heute ebenfalls denkmalgeschützte Liederhalle (1956). Die Überbauung des Bietigheimer Brandplatzes gehört zu den frühen eigenständigen Entwürfen des später renommierten Architekten Abel und verrät seine große Sensibilität für die Bauaufgabe. Die Bauausführung vor Ort erfolgte durch den Bietigheimer Architekten Jakob Rieger.

Bereits der 1. Bauabschnitt auf dem Bietigheimer Brandplatz belegt die politische Entscheidung, den Marktplatz, der ursprünglich nur das schmale Dreieck zwischen Marktbrunnen und Rathaus umfasste, erheblich nach Norden zu erweitern mit der Absicht, hier einen Platz für ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu errichten. Das 1924 als erstes fertig gestellte Zweigiebelhaus schließt den erweiterten Marktplatz nach Norden ab und korrespondiert mit seiner Giebelständigkeit und den Arkadenbögen mit der den Marktplatz südlich abschließenden historischen Bebauung.
Bis 1927 folgte an der Pfarrstraße der Westflügel des heutigen Arkadengebäudes, mit Wohnungen, einem Konsumladen im Erdgeschoß und dem neuen Mesnerhaus an der Ecke zur Stadtkirche. Den Abschluss der Brandplatzbebauung bildete der Ostflügel des Arkadengebäudes, das sogenannte "Stadthaus" am Marktplatz, das 1925 mit dem Ausheben der Baugrube begonnen, aber wegen der Entwicklung der Baupreise in der Wirtschaftskrise erst 1933 fertig gestellt werden konnte.

Der Ostflügel des Neubaus, das eigentliche Arkadengebäude nimmt dabei in zurückgenommener sachlicher Formensprache der 20er Jahre Firstrichtung, Dreistöckigkeit, Dachgauben und Arkadenbögen des im Kern mittelalterlichen Rathauses auf und verlängert damit Rathaus und Marktplatz optisch nach Norden, ohne die Architektur des Rathauses plump zu kopieren. Auch der Erker des Arkadengebäudes zur Hauptstraße nimmt als Zitat Bezug auf die mittelalterliche Architektur des Rathauses gegenüber. Die Arkadenreihen waren dabei von Abel zunächst gar nicht als offener Laubengang geplant, sondern als Ladenschaufenster. Da es wegen der Weltwirtschaftskrise für die Läden jedoch keinen Bedarf bzw. keine Interessenten gab, schlug Stadtbaurat Ehninger 1930 vor, aus der Not eine Tugend zu machen und statt der Schaufenster einen Laubengang für eine öffentliche Nutzung etwa für den damit wettergeschützten Wochenmarkt vorzusehen. Ein Vorschlag, der sofort Abels wohlwollende Zustimmung fand.

Alles in allem zeigt sich im Arkadengebäude Abels sensibles Bemühen, den Neubau in Form und Maßstab harmonisch in die umgebende historische Bausubstanz einzufügen ohne zu historisieren. Es kann als ein gelungenes Beispiel zeitgenössisch modernen Bauens in historischer Umgebung gelten und prägt seit dem neben dem historischen Rathaus maßgeblich das Bild des Bietigheimer Marktplatzes.

Ab Ende der 1950er Jahre hielt die Bietigheimer Stadtverwaltung im Arkadengebäude Einzug – die Finanz- und Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bietigheim-Bissingen hatte hier ebenso ihren Sitz wie die Stadtinformation. 1989 erwarb die Stadt von der evangelischen Kirchengemeinde das Mesnerhaus im Nordteil des Westflügels, damit war der gesamte Gebäudekomplex im Besitz der Stadt und wurde von der Stadtverwaltung genutzt.

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