Eröffnung der Ausstellung »Japonismus 2.0 – Landschaft im Zeichen Japans«

Die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen zeigt ab 23. Oktober 2021 die neue Ausstellung «Japonismus 2.0 – Landschaft im Zeichen Japans«
Aufgrund der aktuellen Lage wird es keine klassische Eröffnung geben. Stattdessen sind alle Besucher*innen herzlich eingeladen am Freitag, 22. Oktober 2021 von 18 bis 21 Uhr die anwesenden Künstler*innen kennenzulernen und an kurzen Einführungen der Galerieleitung teilzunehmen. Halbstündlich findet zudem eine Musikperformance von Oliver Prechtl statt. Einlass mit einem 3 G-Nachweis. Es gilt weiterhin die Maskenpflicht in öffentlichen Gebäuden. Barrierefreier Zugang und Sitzgelegenheiten sind vorhanden. Der Eintritt ist frei.

Gleich am Montag, 25. Oktober 2021 um 17 Uhr findet die Führung exklusiv für Lehrkräfte und Erzieher*innen mit der Galerieleiterin Dr. Isabell Schenk-Weininger statt. Anmeldung unter: 07142 74-483.

Groß war die Begeisterung, als ab Mitte des 19. Jahrhunderts japanische Kunst nach Europa gelangte. Insbesondere in Frankreich ließen sich Künstler wie Claude Monet, Paul Gauguin und Vincent van Gogh von den Stilmitteln des japanischen Farbholzschnitts inspirieren. Auch der Jugendstil und der Expressionismus sind ohne diesen Einfluss undenkbar. Die Ausstellung präsentiert nun Werke zeitgenössischer Künstler*innen, die von japanischer Kultur fasziniert sind und dabei stets das Phänomen des Japonismus' mitreflektieren. Sie thematisieren auf raffinierte und unterschiedliche Weise die gegenseitige kulturelle Beeinflussung zwischen Westeuropa und Fernost.
So bezieht sich der Berliner Maler Sven Drühl in seinen Lack- und Silikongemälden auf japanische Holzschnitte der 1920er Jahre, die ihrerseits bereits Elemente westlicher Landschaftsdarstellung integriert hatten. Die in Amsterdam lebende indonesische Fotografin und Videokünstlerin Fiona Tan nimmt für ihre sich auftürmenden Wolkenformationen auf das klassische hochformatige Rollbild Bezug. Ebenso der Wahlfranzose Raffi Kaiser, der zudem auf die Präsentationsform des Paravents zurückgreift für seine panoramaartigen, zarten Zeichnungen, in denen er die Landschaftseindrücke seines Japanaufenthalts festhielt. Auch der Fotokünstler Hans-Christian Schink reiste nach Japan und hielt 2012 die Nachwirkungen des Erdbebens und des Tsunami in der besonders betroffenen Region Tōhoku in einer eindrucksvollen, stillen Serie fest. Sein Kollege Thomas Neumann hebt in seiner Werkreihe japanischer Wälder die Zentralperspektive auf oder stellt in einer weiteren Fotoserie einzelne Steine in den Fokus, was auf eine jahrhundertealte Tradition zurückgeht. Das Verhältnis von Mensch und Natur reflektiert auch der Österreicher Edgar Honetschläger, der viele Jahre in Tokio lebte: Er hinterfragt in Filmen, Fotografien, Aquarellen und Tuschezeichnungen eigene und fremde Darstellungs- und Sehgewohnheiten.
Ein Anlass für diese Ausstellung ist der enge Bezug Bietigheim-Bissingens zu Japan: Bereits seit 1962 pflegt Bietigheim eine Städtepartnerschaft mit Kusatsu, deren heilkräftige Quellen erstmals von dem in Bietigheim geborenen Arzt, Anthropologen und Ethnologen Erwin von Baelz (1849–1913) analysiert wurden. Baelz war 1876 nach Japan gegangen, wurde Professor an der Universität in Tokio und zum Wegbereiter der modernen Medizin. Als Leibarzt war er auch enger Vertrauter des japanischen Kaiserhauses. Teile seiner kunst- und kulturhistorischen Sammlung erwarb die Stadt Bietigheim, wovon das Stadtmuseum Hornmoldhaus einige Exponate in seiner Dauerausstellung präsentiert. Das Stadtmuseum plant für Frühsommer 2022 gleichfalls eine Ausstellung mit Japan-Bezug.
Vor diesem Hintergrund beschäftigte sich die Städtische Galerie bereits mehrfach mit der Kunst Japans: 1995 wurden zeitgenössische japanische Kalligrafen gezeigt und 2003 die Ausstellung „Mit dem Pinsel gesehen. Japanische Zeichnung und Malerei des 17. bis 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Gerhard Schack“, die ein großes, begeistertes Publikum fand. Zuletzt wurden 2010 rund 150 grafische Blätter in der Ausstellung „Reisen im Land der aufgehenden Sonne. Meisterwerke des japanischen Holzschnitts“ aus der Kunsthalle Bremen gezeigt. Damals rückte bereits das Thema der Landschaft und des Reisens in den Fokus, allerdings aus dem Edo-zeitlichen Leben mit den Meistern des japanischen Holzschnitts Hokusai und Hiroshige und deren Serien zum Tōkaidō, der wichtigsten Handels- und Reiseroute im alten Japan.
Die neue Ausstellung präsentiert nun aktuelle Landschaftsbilder von sechs internationalen Künstler*innen, in denen auch traditionelle Aspekte japanischer Ästhetik und Naturbetrachtung wie Leere, Stille und Reduktion, fehlende Tiefenwirkung, originelle Bildausschnitte und ungewöhnliche Perspektiven auf ganz verschiedene Art zum Ausdruck kommen. Doch unterlaufen sie gleichzeitig unsere Erwartungshaltungen, spielen mit Klischees und sind ganz im Hier und Jetzt verortet – ein »Japonismus 2.0«.

Außerdem zeigt die Städtische Galerie noch bis 21. November 2021 die Studioausstellung: »Einblick in die Sammlung: Von Vierbeinern, Federvieh und Flügelwesen«: Diesen Sommer hat sich die Städtische Galerie ausgiebig dem Tierleben in der Kunst gewidmet und gibt einen Einblick in ihre umfangreiche Sammlung: Eine Auswahl an Werken von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart, in denen Tierdarstellungen im Mittelpunkt stehen. Dabei sind im gesamten historischen Gebäudeteil neben heimischen Nutztieren gleichfalls wilde, exotische Tiere zu sehen. Mit von der Partie sind ebenfalls Meeresgetier und Fabelwesen, aber auch Vögel und Insekten kreuchen und fleuchen durch die Schau. Von Picasso und Miró über Christian Rohlfs und HAP Grieshaber bis hin zu zahlreichen Gegenwartskünstler*innen und den hiesigen Künstlern Roland Bentz, Fritz Melis oder Hermann Rombach setzten sich zahlreiche Schaffende mit dem Thema und Motiv Tier temporär oder regelmäßig auseinander.

Diese Ausstellung ist am Tag der Eröffnung von »Japonismus 2.0« bereits ab 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist auch hier frei.

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