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Donnerstag, 09.01.2020 13:27 Uhr Alter: 17 Tage

Vortrag und Ausstellung im Gedenken an die Euthanasie 1939-1945“ im evangelischen Gemeindehaus und in der Stadtkirche Bietigheim

Kategorie: Pressemitteilungen

Mit einem Vortrag und einer Ausstellung erinnern das Stadtmuseum Hornmoldhaus und die evangelische Stadtkirchengemeinde Bietigheim ab 16. Januar 2020 an die Verbrechen, die im Rahmen der Euthanasie im Zweiten Weltkrieg auch in Bietigheim-Bissingen und Umgebung stattfanden.

Am Donnerstag, 16. Januar 2020 um 18.15 Uhr wird in der evangelischen Stadtkirche Bietigheim eine kleine Ausstellung mit Tonfiguren aus dem Kunstprojekt Grafeneck 10.654. Gedenken. Mahnung. Hoffnung des Künstlers Jochen Meyder eröffnet, diese wird bis 29. März 2020 gezeigt. Innerhalb von sieben Jahren fertigte der Künstler Jochen Meyder insgesamt 10.654 individuell modellierte Tonfiguren an, welche auf die Schicksale der 10.654 Getöteten verweisen, die 1940 in Grafeneck im Rahmen der „Aktion T4“ in der Gaskammer systematisch ermordet wurden. Diese Figuren befinden sich im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Grafeneck. Zur Erinnerung an das Geschehene und zur Mahnung können dort Besucher*innen eine Figur mit nach Hause nehmen. Sie geben damit dem Opfer wieder einen Ort und eine Stimme. Stellvertretend für die aus Bietigheim-Bissingen stammenden Ermordeten kamen so zwölf Tonfiguren nach Bietigheim-Bissingen zurück. Ergänzend zu den Figuren gibt es in der Ausstellung Informationen zum Schicksal der Opfer aus Bietigheim-Bissingen. Die Ausstellung ist bis 29. März 2020 zu sehen.

Danach, am Donnerstag, 16. Januar 2020 um 19 Uhr, wird Götz Aly im evangelischen Gemeindehaus, Schwätzgässle, zu dem Thema „Die Belasteten – Euthanasie 1939 – 1945“ sprechen. Götz Aly beschreibt, wie die Euthanasiemorde in der Mitte der deutschen Gesellschaft als öffentlich bekanntes Geheimnis vonstattengingen. Er lässt die Opfer sprechen, zeigt, wie sich die Anverwandten verhielten und wie Ärzte das Töten in den therapeutischen Alltag übernahmen und zugleich reformerische Ziele verfolgten. Götz Aly hat ein Buch zu diesem Thema im Jahr 2013 über den S. Fischer Verlag herausgegeben. Das Buch wurde im Zusammenhang mit der Sonderausstellung „Krankenmord im Nationalsozialismus – Grafeneck 1940 – Opferschicksale aus Bietigheim-Bissingen und Ingersheim“ vorgestellt. Die Ausstellung war im Sommer im Stadtmuseum Hornmoldhaus zu sehen und ist derzeit im Rathaus in Ingersheim (bis zum 30. Januar 2020) ausgestellt.

Bei dem Vortrag am 16. Januar um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus wird es auch einen Büchertisch mit einer Auswahl der Werke von Götz Aly geben.

Die Veranstaltungen finden in Kooperation mit der „Initiative Stolpersteine Bietigheim-Bissingen“, der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bietigheim, dem Stadtmuseum Hornmoldhaus und dem Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen statt.

Der Eintritt ist frei. Spenden, die der „Initiative Stolpersteine Bietigheim-Bissingen“ zugutekommen, sind willkommen.

Heute ist von den erwachsenen Deutschen jeder achte direkt mit einem Menschen verwandt, der zwischen 1940 und 1945 ermordet wurde, weil er psychisch krank oder behindert war. Die damals Beteiligten beschönigten das Verbrechen als Erlösung, Gnadentod, Lebensunterbrechung, Euthanasie oder Sterbehilfe. Nicht wenige Angehörige fühlten sich nach dem stillen, halb geheimen Verschwinden ihrer hilfsbedürftigen Nächsten erleichtert - der Staat hatte eine Lebenslast von ihnen genommen. Die meisten Familien schwiegen hernach; viele schämten sich, die Namen der Opfer zu nennen. Erst heute löst sich der Bann. Langsam tauchen jene Vergessenen wieder auf, die sterben mussten, weil sie als verrückt, lästig oder peinlich galten, weil sie unnormal, chronisch krank, gemeingefährlich, arbeitsunfähig oder pflegebedürftig waren, weil sie ihre Familie mit dem Makel »erbkrank« belasteten.

Götz Aly, 1947 in Heidelberg geboren, studierte Politische Wissenschaft und Geschichte. Er arbeitete für die »taz«, die »Berliner Zeitung« und als Gastprofessor. Seine Bücher werden in viele Sprachen übersetzt. 2002 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis, 2003 den Marion-Samuel-Preis, 2012 den Ludwig-Börne-Preis. Zuletzt veröffentlichte er ›Warum die Juden? Warum die Deutschen? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933‹ (2011); ›Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück‹ (2008); ›Fromms. Wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber fiel‹ (mit Michael Sontheimer, 2007); ›Volkes Stimme. Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus‹ (mit Frankfurter Studenten, 2006) ›Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus‹ (2005). Er gehörte bis 2010 zu den Begründern und Herausgebern der Quellenedition ›Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945‹.

Götz Aly: Die Belasteten ›Euthanasie‹ 1939-1945 Eine Gesellschaftsgeschichte. 352 Seiten, gebunden; 22,99 Euro ISBN: 978-3-10-000429-1.





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