Der organisatorische Rahmen des Sportengagements

Die Hälfte aller sportlichen Aktivitäten organisieren die Sporttreibenden in Eigeninitiative, im privaten Rah­men. Fast jeder Dritte wählt kommerzielle Anbieter wie Fitnessstudios und Tanzschulen oder einen Sport­verein. Beide liegen in etwa gleichauf.

Dabei unterscheidet sich die Organisationsform zwischen den drei Sportarten, die die Befragten ausüben, deutlich. Der erstgenannten „Hauptsportart“ widmen sich die Befragten deutlich häufiger als Mitglied eines Sportvereins. Umgekehrt proportional verhält sich die Quote der in Eigenregie Sportaktiven.

Organisatorischer Rahmen nach Sportarten (erst-, zweit- und drittgenannte):

Sportart:123
Eigenregie/ privat37 %57 %63 %
Sportverein (Mitglied)24 %13 %9 %
kommerzielle Anbieter23 %15 %14 %

 

Sportarten-Gruppen und Organisationsformen

 Sportverein (Mitglied)Eigenregie/privatkommerzielle Anbieter
Große Sportspiele92 %7 %1 %
Kampfsport62 %11 %27 %
techn.-komposit. Sportarten30 %16 %54 %
kond.-en. det. Sportarten28 %69 %3 %
Fitnesssport22 %20 %58 %
Kraftsport14 %8 %78 %
Radsport7 %90 %2 %
Laufsport4 %93 %3 %

 

Organisationsform "Sportverein"

Die Gruppen der aktiven und der ehemaligen Sportvereinsmitglie­der sind in etwa gleich groß. Fast 40 Prozent aller regelmäßig sportlich aktiven Befragten sind aktive Sportvereinsmitglieder, und ein Drittel sind ehemalige Mitglieder. Dagegen findet sich unter den nicht oder unregel­mäßig Sporttreibenden ein deutlich höherer Anteil an ehemaligen Mitglie­dern und Sportvereinsabstinenten.

Sportvereinsmitgliedschaft-Status der regelmäßig Sporttreibenden und unregelmäßig oder nicht Sportaktiven:

 regelmäßig sportaktivunregelmäßig/nicht sportaktiv
aktives Mitglied36 %0 %
passives Mitglied12 %16 %
nicht mehr Mitglied34 %40 %
noch nie Mitglied18 %44 %

 

Der Organisationsgrad (OG)i ist bei Kindern und Jugendlichen hoch und nimmt im Erwachsenenalter ab. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen männlichen Geschlechts ist er sehr hoch, und bei den 11 bis 14 Jahre alten Jungen beträgt er 107 Prozent. Das heißt, dass mehr männliche Jugendliche in diesem Alter Mitglied in einem Bietigheim-Bissinger Sportverein sind, als in der Stadt tatsächlich als Einwohner gemeldet. Die Daten aus der Bevölkerungsbefragung liefern höhere Werte als die Statistik des WLSB, der Organisationsgrad ist über fast alle Alterskategorien hinweg betrachtet höher.

Die Sportarten-Gruppen des Präzisionssports und der großen Sportspiele weisen die höchsten Anteile an Sportlern aus, die ihrer Sportart als Mitglied eines Sportvereins nachgehen. Sportarten aus Lauf- und Radsport sowie Meditationssportarten werden dagegen zu sehr kleinen Anteilen in Sportvereinen betrieben.

Rund jeder Achte ist passives Mitglied eines Sportvereins. Passivmitglieder unterstützen den Verein mit ihrem Mitgliedsbeitrag, nehmen aber nicht aktiv am (sportlichen) Leben des Vereins teil.

Mehr als ein Drittel gibt an, nicht mehr Mitglied eines Sportvereins zu sein. Vor allem in der Gruppe der 35 bis 44 Jahren alten Männer finden sich viele Ehemalige. Rund die Hälfte der sportlich Aktiven dieses Alters gibt an, früher einmal Teil eines Sportvereins gewesen zu sein. Bei den Frauen scheint die Welle des Ausscheidens aus dem Verein einige Jahre früher zu beginnen. Die Gründe für den Austritt sind vielschichtig.

In der Gruppe der Sportvereins­abstinenten finden sich mehr als doppelt so viele nicht oder nur unregelmäßig Sporttreibende als regelmäßig Sportaktive. Je älter die Befragten sind, umso größer ist der Anteil der Nie-Mitglieder. Unter den 65- bis 74-jährigen Frauen waren fast drei Viertel noch nie Mitglied eines Sportvereins, bei den gleichaltrigen Männern sind dies nicht einmal die Hälfte.

Organisationsform "in Eigenregie/privat"

Sportarten aus der Gruppe des Rad-, Lauf-, Roll- und Gleitsports üben die Befragten mehrheitlich ohne institutionelle Anbindung aus. Mit ihrem Wettkampfbezug sind Sportarten aus den Gruppen der konditionell-energetischen, der Rückschlag- und der großen Sportspiele dem klassischen Spektrum des Vereinssports zuzurechnen, werden in Bietigheim-Bissingen aber auch in privatem Rahmen ausgeübt. Vor allem der Anteil der privat organisierten Aktivitäten in der Gruppe der konditionell-energetisch determinierten Sportarten – hierzu zählen die grundsätzlich primär als Wettkampfsport im Rahmen von Sportvereinen betriebenen Sportarten Leichtathletik, Schwimmen und Triathlon – ist sehr hoch. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind dabei relativ gering. Eine Ausnahme bilden die großen Sportspiele. Wenn Frauen eine Sportart aus dieser Gruppe ausüben, tun sie dies fast ausschließlich in organisiertem Rahmen.

Organisationsform "kommerzielle Anbieter"

Überwiegend unter dem Dach kommerzieller Sportanbieter wie Fitnessstudios, Tanz- oder Kampfsportschulen ausgeübt werden Sportarten aus den Gruppen des Kraft, des Kletter- und des Meditationssports. Kraftsport erreicht einen Anteil von mehr als drei Vierteln. Zur Ausübung von technisch-kompositorischen Sportarten wählt mehr als die Hälfte der Befragten einen kommerziellen Anbieter, obwohl dieser Gruppe Leistungs- und Wettkampfsportarten wie Gerätturnen, Eiskunstlauf, Rhythmische Sportgymnastik und Tanz angehören, die traditionell im organisierten Sport verortet sind. Dasselbe gilt für die Gruppe der Rückschlagspiele, die mit ihren wettkampforientierten Sportarten wie Volleyball, Badminton und Tischtennis von etwa jedem Sechsten bei kommerziellen Anbietern betrieben werden. Differenziert nach Geschlecht, zeigt sich, dass kommerzielle Sportanbieter als Organisations­form des Sporttreibens von Männern deutlich stärker als von Frauen bevorzugt werden.