Zwangsarbeit

Im 2. Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) wurden immer mehr Männer zum Militärdienst an die Front geschickt. Um ihre Arbeitskraft in der Heimat zu ersetzen, wurden ab 1941 vermehrt sogenannte „Fremdarbeiterinnen und -arbeiter“ eingesetzt - Männer, Frauen und auch Kinder, die aus ihrer Heimat als Arbeitssklaven in das Reich verschleppt wurden.  Sie stammten vorwiegend aus Osteuropa; es waren aber auch Niederländer, Belgier und Franzosen darunter. Auf etwa 10 Mio. wird die Zahl der im Verlauf des Krieges zur Arbeit ins Deutsche Reich verschleppten Menschen geschätzt.

Durchgangslager Bietigheim

Der Zwangsarbeitereinsatz wurde rasch systematisch ausgebaut. Als Eisenbahnknotenpunkt bekam die Stadt Bietigheim für Südwestdeutschland eine besondere Rolle: Unmittelbar südlich des Bietigheimer Bahnhofs wurde Anfang 1942 im damals noch bestehenden Waldgebiet Laiern ein sogenanntes Durchgangslager für Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter errichtet. 

In der rechten Spalte bzw. bei Mobilgeräten am Ende der Seite finden Sie mehr Informationen in der eingestellten pdf-Datei.

Das Mahnmal

Der Gemeinderat hat im Juli 2017 beschlossen, im Bahnhofsbereich ein Mahnmal für die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter zu errichten. Damit soll dauerhaft an dieses historische Unrecht erinnert werden.

Die Ludwigsburger Künstlerin Sara F. Levin hat dieses Mahnmal konzipiert. An mehreren Stationen soll Aufmerksamkeit erzeugt, Irritation ausgelöst, Interesse geweckt und über das Thema informiert werden.

In der rechten Spalte bzw. bei Mobilgeräten am Ende der Seite finden Sie ausführliche Informationen zum Mahnmal und die Reden von Oberbürgermeister Jürgen Kessing und Prof. Dr. Thomas Schnabel anlässlich der Übergabe des Mahnmals am 01.07.2018.

Plan und Erläuterungen

Erläuterung

Station 1
Im Boden einer Haltestelle wird eine große Uhr gespiegelt. Sie verweist mit ihrer Umkehrung der Zeit nicht nur auf den Blick in die Vergangenheit als Prozess der Erkenntnis, sondern auch auf die geraubte Lebenszeit der Menschen, die durch das Lager geschleust und an fremden Orten zum Arbeitseinsatz gezwungen wurden.

Station 2 a und 2b
Auf den Glasfronten im Wartebereich des Busbahnhofs sind großformatige Auszüge aus Zitaten von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern sowie weiteren Zeitzeugen zum Durchgangslager zu lesen. Durch die Transparenz der Gläser vermischen sich hier Gegenwart und erzählte Vergangenheit. Texte zit. n. Christine Sämann: Das Durchgangslager in Bietigheim. Zwangsarbeit im Nationalsozialismus – Bedeutung und Funktionen des Durchgangslagers für „ausländische Arbeitskräfte“ in Bietigheim mit seinen Krankensammellagern in Pleidelsheim und Großsachsenheim.

Station 3a und 3b
Informationstafeln zur Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg und zum Durchgangslager Bietigheim sowie zum Mahnmal von Sara F. Levin.

Station 4
An einem acht Meter hohen Mast zeigen zwölf Schilder, die keine Beschriftung tragen, in unterschiedliche Richtungen. Sie verweisen damit symbolisch nicht nur auf die Länder, aus denen die Menschen verschleppt wurden, sondern auch auf die Einsatzorte der Zwangsarbeit während der NS - Zeit.

Station 5
Zum Mahnmal gehört außerdem eine mehrteilige Fotoarbeit. Es ist die künstlerische Untersuchung des ehemaligen Lagerstandortes. Das Gelände ist inzwischen ein Industriegebiet und durch Gebäude und Straßen vollständig versiegelt. Die Arbeit wird im Bogenviertel auf dem ehemaligen DLW-Gelände präsentiert werden. Als damals bedeutendster Industriebetrieb der Stadt Bietigheim waren die Deutschen Linoleumwerke auch der Haupteinsatzort der zur Zwangsarbeit Verschleppten in der Stadt.

Ergänzende Literatur

Zur Mahnmalübergabe erschien in der Schriftenreihe des Archivs der Stadt Bietigheim-Bissingen die wissenschaftliche Untersuchung:

Christine Sämann:
Das Durchgangslager in Bietigheim
Zwangsarbeit im Nationalsozialismus – Bedeutung und Funktionen des Durchgangslagers für „ausländische Arbeitskräfte“ in Bietigheim mit seinen Krankensammellagern in Pleidelsheim und Großsachsenheim
285 Seiten, € 25,80.

Das Buch ist erhältlich in der Tourist Information, im Stadtarchiv, im Stadtmuseum Hornmoldhaus und im Buchhandel.