Gute bis sehr gute Qualität der Trauben 2025,
mit viel Aroma – Hoffnung auf großen Jahrgang
Historisches vollzieht sich Jahr für Jahr im Bietigheimer Hornmoldhaus: das dort aufbewahrte, 470 Jahre alte Bietigheimer Weinregister wird vom jeweils amtierenden Oberbürgermeister der Enzstadt fortgeschrieben. Auch in diesem Jahr widmete sich Oberbürgermeister Jürgen Kessing dieser Chronistenpflicht mit großer Sorgfalt.
Das Jahr 2025 war für die Bietigheimer Weingärtner letzten Endes sehr erfreulich. Auf einen sonnigen und sehr trockenen Frühling – der dritttrockenste seit Aufzeichnungsbeginn – folgte glücklicherweise ein kühler Mai. In der Reifephase wurden die Trauben von der Sonne verwöhnt, der Wechsel von warmen Tagen und kühlen Nächten begünstigte dann die Aromabildung. Sowohl im Weinberg als auch in der Weinbereitung war viel Flexibilität und Energie nötig. Doch das Ernteergebnis war in Menge und Qualität passend. Die Kunden dürfen sich auf einen großen Jahrgang freuen.
Die Durchschnittserträge von 94 bis 117 kg/Ar im Jahr 2025 liegen deutlich über dem Durchschnitt des Vorjahres mit 74 bis 102 kg/Ar. Am besten hat der Spätburgunder abgeschnitten – diese Trauben brachten 117 kg/Ar bei durchschnittlich 86 Grad Oechsle, gefolgt vom Schwarzriesling mit 112 kg/Ar und 84 Grad Oechsle.
Die Weinernte aus Bietigheim-Bissinger Lagen ergab rund 573 hl Wein und damit 125 hl mehr als im Vorjahr. Der Verkaufspreis lag mit 338 Euro je hl Wein auch über dem Wert von 2024 mit 319 Euro je hl Wein.
Die Lese begann am 20. August 2025 mit einer selektiven Lese von Sauvignon Blanc und endete am 30. September mit den Rebsorten Trollinger und Lemberger. Insgesamt wurden mit dem Jahrgang 2025 über alle Sorten hinweg ein durchschnittlicher Ertrag von 96 kg/Ar bei einem durchschnittlichen Mostgewicht von 84 Grad Oechsle erreicht.
Seit 1550 wird das Bietigheimer Weinregister in Bietigheim geführt und in den Archiven sorgfältig verwahrt. Im 18. Jahrhundert erhielt das große Register einen schützenden Holzschrank, verziert mit wappengeschmückten Flügeltüren und anderen Schnitzereien. Das Schränkchen samt kostbarem Inhalt wird aus konservatorischen Gründen in den klimatisierten Archivräumen aufbewahrt – es muss vor Feuchtigkeit, Lichteinflüssen und anderen Beeinträchtigungen geschützt werden. Eine Kopie des Dokumentes ist jedoch im Museum jederzeit zu besichtigen. Es verdeutlicht, welch hohe Bedeutung dem Weinbau einst in Bietigheim zukam. Er war einstmals Exportschlager und trug viel zum Reichtum der Stadt bei.
Inzwischen erleichtert eine digitale Darstellung den Besuchern das Studium des Weinregisters: mittels eines Bildschirms kann das Original-Register, welches aus konservatorischen Gründen nicht offen gezeigt werden kann, von allen interessierten Besuchern gelesen werden. Auf dem Bildschirm werden die Texte gezeigt, blättern ist möglich und erläuternde Texte helfen beim Lesen und Verstehen. Dieses digitale Angebot macht die Bedeutung des Weinbaus für die Stadt und ihre wirtschaftliche Entwicklung in früheren Jahrhunderten noch begreifbarer.


