Station 12 - Naturdenkmal Bleiche / Biotop-Pflege
Spuren von Mensch und Natur in der Landschaft „lesen lernen“
Magerwiesen am Hang, dazwischen einzelne Obstbaumgrundstücke, Mauern als Reste ehemaliger Weinberge. Ein Pfad, der vom Talgrund auf die Höhe führt. Markante, hoch gewachsene Einzelbäume: Das alles ist ein buntes Landschaftsmosaik im Bereich des Naturdenkmals Bleiche. Und es sind Elemente, die wir in der Kulturlandschaft lieben; ja, die den Reiz vieler Teile unserer Heimat ausmachen. All das ist nur entstanden, weil Menschen in diesen Landschaften gearbeitet und gewirkt haben. Wenn wir diese Landschaften verstehen wollen, müssen wir darin „lesen“ und die Gesellschaft muss bereit sein, verloren gegangene Nutzungen möglichst nahe den historischen Vorbildern weiterzuführen. Denn sonst würde die Landschaft schnell verbuschen, es würde Wald entstehen und dort, wo Menschen Mauern gebaut haben und Mauern die Weinbergtätigkeit der Menschen beeinflusst haben, wäre dann, wie auch in anderen Stellen im Tal nur noch Wald.
Heute Pfad – einst Fahrweg
Aufgrund des alten Wegs, der vom Talgrund auf den Höhenrücken hinaufführt, wurde das Gewann einst auch „Fahrenhälde“ genannt. Hier ist eine der wenigen Stellen, an denen man – auch mit einem Pferde- oder Ochsen-Gespann – aus dem Tal heraus kam. Heute ist dieser alte Fahrweg nur noch ein Trampelpfad. Die beiden nächsten Hangwege, die quer zum Tal verlaufen, sind im Westen der Grundweg in Kleinsachsenheim und im Osten die Mühlsteige in Metterzimmern.
Heimatgeschichte im Zeitraffer
Dieser Teil des Mettertals hat eine lange und abwechslungsreiche Geschichte: Nach der Waldrodung im Mittelalter wurden am Südhang Weinberge angelegt. Aufgrund der fußläufig großen Entfernung (Gewannname „Äußere Berge“) nach Metterzimmern wurden diese Weingärten im Bereich des heutigen Naturdenkmals „Bleiche“ als erste nicht mehr bewirtschaftet. Da in Metterzimmern und Kleinsachsenheim mehrere Weber ihr Handwerk ausübten, baute 1822 ein Tuchbleicher hier ein „Häuslein und Waschhaus“. Die damals genutzte Quelle ist heute nicht mehr zugänglich. Auf den umliegenden Wiesen wurde das Tuch getrocknet und gebleicht. 1824 hat man zudem ein Wohnhaus errichtet. Nach einem Brand wurden 1866 Waschhaus und Stall und 1867 – auf dem Platz der früheren Tuchbleiche – eine Scheue aufgebaut. Noch heute heißen das Gewann und Siedlung „Bleiche“, obwohl die Bleicher hier nur von 1822 bis längstens 1867 gearbeitet haben. (Quelle: Andreas Walter (2016): Metterzimmern. Geschichte und Geschichten aus unserem Dorf, S. 78).
Danach gehörte dieser Teil des Mettertals fast hundert Jahre lang zum Bauernhof „Bleiche“. Bis Mitte der 1960er Jahre wurden die terrassierten Flächen beweidet. Erst mit dem Abriss der Hofstelle Ende der 1960er Jahre wurde die Nutzung des Hanges aufgegeben.
Revitalisierung der Hangwiesen
Ende der 1980er Jahre begann die NABU Ortsgruppe Bietigheim-Bissingen (damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz) die damals sehr stark verbuschte Fläche von Gehölzen zu befreien, um den Südhang als Biotop für Insekten und Vögel zu erhalten.
Seit 1989 ist die „Bleiche“ als Naturdenkmal ausgewiesen (rund 1,1 Hektar) und wird von der Stadtgärtnerei Bietigheim-Bissingen gepflegt.
Von nichts kommt nichts – Pflege der Kulturlandschaft
Das Naturdenkmal wird jährlich mindestens einmal gemäht, damit keine Gehölze aufkommen. Die Obstwiese sowie Flächen mit Neophyten werden zweimal gemäht. Flachere Bereiche ohne Mauern lassen sich mit dem Traktor mähen, die terrassierten Flächen werden mit einem Balkenmäher oder von Hand mit Motorsensen gemäht. Diese Arbeiten führen seit 2001 beauftragte Landwirte jährlich unter fachlicher Anleitung der Stadtgärtnerei durch.
Das Zusammenrechen und Entfernen des Mähguts ist unerlässlich, damit der Fläche Nährstoffe entzogen werden und die seltenen, aber meist konkurrenzschwachen Pflanzenarten der Halbtrockenrasen erhalten bleiben. Bei diesen Tätigkeiten können Freiwillige im Rahmen von Landschaftspflege-Tagen, Umwelt-Workshops, Teambuilding-Projekten o.ä. helfen.
Sicherheitshinweis: Die Begehung erfolgt auf eigene Gefahr.











