Station 2 - Metter / Brücke – Mühle – Wehr
Wege zu Land oder im Wasser
Wie viele Leute mögen wohl schon über die uralte Metterbrücke gelaufen und gefahren sein? Menschen auf dem Weg von und nach Metterzimmern, Menschen, die zur Mühle kamen mit Ochsenkarren, Pferdewagen, Handwagen und später mit Pferdefuhrwerk, Einachsschlepper oder Traktor. Menschen, die ihrer mühevollen Arbeit nachgingen und die Brücke zum Überqueren des Flüsschens nutzten. Eine Stelle, die viele Hundert Jahre lang nur eine Furt aufwies. Eine Furt, die schon die Römer und auch Menschen in den Jahrhunderten und Jahrtausenden zuvor benutzt haben.
Wege brauchen auch die Organismen in Bächen und Flüssen. Nicht nur die Fische wandern entlang, sondern auch andere Wasserlebewesen. Durch die Gewässerverbauung war etwa der Fischaufstieg für selten gewordene Arten wie den Strömer nicht mehr möglich. An der alten Metterbrücke wurde deshalb ein ehrgeiziges Modellprojekt der Renaturierung und damit der Wegbereitung für Fische und andere Wasserlebewesen realisiert. Wir erzählen davon!
Getreidemühle – Nahversorgung bis 1959
Die Getreidemühle war bis 1959 in Betrieb. Dann fand der damalige Müller Hahn keinen Nachfolger in der Familie und der Mühlgraben wurde zugeschüttet. Das alte Mühl- und Wohngebäude brannte 1971 ab, nur einige Nebengebäude blieben erhalten. Die heutigen Wohngebäude entstanden später. Was blieb, war das alte Streichwehr und eine nicht funktionierende Fischtreppe, die für viele Fische und Wassertiere eine unüberwindliche Barriere darstellte.
Freie „Fahrt“ für Fisch und Co.
Seit Dezember 2000 hat die Europäische Union ein einheitliches Wasserrecht: Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL), die mehrere Wassergesetze bündelt und nachhaltigen Ressourcenschutz sowie den Erhalt bzw. die Wiederherstellung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer fordert. Die Stadt Bietigheim-Bissingen hat gehandelt: Der Gemeinderat regte 2008 an, das alte Wehr zu entfernen und die Metter so zu gestalten, dass der Fluss wieder durchgängig wird. Symbol für die Durchgängigkeit ist der selten gewordene, nur etwa 12 – 18 Zentimeter große Strömer.
Strömer – eine unbekannte Fischart
Der Strömer (Leuciscus souffia) gehört zu den Karpfenfischen. Der kleine Schwarmfisch ist europaweit sehr selten, steht auf der Roten Liste als „stark gefährdet“, kommt aber in der Metter noch häufig vor. Im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 werden Maßnahmen zu seinem Schutz (Erhalt der steinigen Laichbänke und Entfernen von Wanderbarrieren) durchgeführt und finanziell gefördert.
Bau der Sohlgleite – Technik lässt Naturdynamik wieder entstehen Zusätzlich zur Renaturierung sollte der Fluss auch geringfügig nach Norden verlegt werden, um Platz für eine naturnahe Uferböschung zu erhalten. Dadurch sind sowohl die Straße als auch die historische Steinbrücke bei Hochwasser besser geschützt.
Die Bauphasen
Während die alte Fischtreppe entfernt wurde, legte der zweite Bagger schon ein paralleles Behelfs-Gewässerbett an, durch das die Metter während der Bauphase floss.
Ein GPS-steuerbarer Bagger setzte entsprechend den Strömungsberechnungen der Planer große Muschelkalksteine im Flussbett so, dass 22 Becken entstanden. Das tiefste Becken liegt ungefähr 1,6 Meter tiefer als das oberste und alle weisen sie unterschiedlich stark durchströmte Bereiche auf, damit auch schwache Schwimmer unter den Fischen (ja – so etwas gibt es!) und auch Kleintiere „barrierefrei“ die Metter rauf und runter können.
Sicherheitshinweis: Die Begehung erfolgt auf eigene Gefahr.











