Station 6 - Galeriewald
Bäume und Gehölze an Fließgewässern erfüllen viele verschiedene Aufgaben. So haben sie große Bedeutung für den Uferschutz: Viele gewässerbegleitende Bäume und Sträucher sind in der Lage, auch an steilen Ufern mit wenig Bodenmaterial zu wurzeln. Die Wurzeln von Erlen, aber auch von Eschen und Weiden, stellen einen natürlichen Schutz vor Erosion – also einem weiteren Abtrag des Ufers durch die Kraft des Wassers – dar. Die Wurzeln der Gehölze sind ein Hindernis für das Wasser und senken die Fließgeschwindigkeit. In diesen Bereichen sammelt sich vermehrt Sand oder Kies, der vom Gewässer mitgeführt wird. So kommt es zu einer Anreicherung und einem stetigen Umbau des Ufers.
Als Galeriewald bezeichnen Geographen und Biologen einen Wald, der sich entlang der Ufer eines Flusses in einer unbewaldeten Landschaft oder in einer mit einem anderen Waldtyp bestandenen Landschaft erstreckt und sich als eigenständiger Vegetationstyp vom Umland abhebt.
Man spricht auch im Kulturland von Galeriewald, doch dann bezieht sich der Begriff auf Waldreste. Der ursprüngliche Auwald wurde vom Menschen wie im Mettertal bis auf einen bachbegleitenden schmalen Rest in Grün- oder Ackerland umgewandelt.
Typische Bäume und Sträucher des Galeriewaldes
Schwarzerle
Die Schwarzerle ist ein bis zu 25 Meter hoher Baum, den man sehr oft an Fließgewässern findet. Sein Wurzelwerk reicht tief unter die Wasserlinien und ist stark verzweigt, so dass diese Art das Ufer sehr gut festigt und schützt. Die locker verzweigte Baumkrone ist kegelförmig, die grünlich-braun glänzende Rinde bildet quadratische Felder. Schwarzerlen blühen im März und April mit rötlich purpurnen Kätzchen, die nach dem aufblühen grün werden. Die zapfenähnlichen Früchte, die zwischen September und Oktober reifen, sind zunächst grünlich-braun, später schwarz.
Zitterpappel
Die Zitterpappel – auch Espe oder Aspe genannt – erzeugt bereits bei leichtesten Windzügen ein charakteristisches Blattrauschen. Die Redewendung „Zittern wie Espenlaub“ kommt nicht von ungefähr. In Europa ist die Zitterpappel die am häufigsten verbreitete Pappelart. Sie wird bis zu 30 Meter hoch und hat zunächst eine lockere, relativ breite Krone, die später kegelförmig wird. Ihr Blatt ist rund und am Rand etwas unregelmäßig. Die Unterseite ist heller als die Oberseite, jedoch kahl. Wie die anderen Arten blüht auch die Zitterpappel zwischen März und April in Kätzchen und hat unscheinbare Früchte, die als Kapsel in den weiblichen Kätzchen hängen.
Silberweide
Die Silberweide kommt in Uferzonen und Auenwäldern sowie an Bächen und Seen vor. Mit einer Wuchshöhe von bis zu 35 Metern ist sie die größte heimische Weidenart. Eine Silberweide erkennt man vor allem an der silbrigen Behaarung der Blätter und Triebspitzen sowie an ihrer Wuchsform: Typisch ist ein Stamm, der nur wenige Meter durchgehend ist, sich allmählich auflöst und mit steilen Ästen eine mächtige Krone entwickelt. Silberweiden erreichen ein Höchstalter von bis zu 200 Jahren. Der bis zu einem Meter dicke Stamm ist im hohen Alter meistens hohl und dient vielen Tierarten als Lebensraum.
Esche
Die Esche ist eine besonders wertvolle Baumart. Das sehr zähe und gleichzeitig biegsame Eschenholz ist sehr fest; bei Sportgeräten wie etwa Schlitten oder Ski ein unbezahlbarer Vorteil. Auch Spaten- und Schaufel- und Axtstiele werden aus Eschenholz gefertigt. Das Laub der Esche wirkt – in zersetzter Form – humusbildend und sorgt für ein reiches Bodenleben. Die Esche, die bis zu 40 Meter hoch und 300 Jahre alt wird, mag frische und zeitweise überschwemmte Böden. Darüber hinaus ist die Esche eine klimatolerante und damit sehr wichtige Baumart in Zeiten klimatischer Veränderungen. Durch das sogenannte – von einem Pilz verursachte – Eschentriebsterben sind etwa seit der Jahrtausendwende in vielen Gegenden zahlreiche Eschen erkrankt und abgestorben. Es bleibt abzuwarten, ob sich Resistenzen bilden, damit diese landschaftsprägende Baumart erhalten bleibt.
Faulbaum
Der Faulbaum wächst nicht direkt am Gewässer, sondern ist eine Art der gewässerbegleitenden Auwälder. Der 5 Meter hohe, locker verzweigte Strauch hat eine dünne, an älteren Sträuchern auch glatte Rinde, die dunkelbraun bis schwarz ist. Das Blatt ist oberhalb der Mitte am breitesten und vorne leicht zugespitzt. Im Herbst verfärbt sich das junge Blatt leuchtend rot. Der Strauch blüht von Mai bis Juni an den jungen Trieben gelb bis grünlich-weiß und bekommt später kugelige, schwarzviolette Früchte mit zwei Samen. Das Holz des Faulbaumes wurde früher zur Herstellung von Holzkohle verwendet und war insbesondere für die Herstellung von Schießpulver sehr begehrt.
Alle Teile der Pflanze sind giftig!!
Pfaffenhütchen
Der mittelgroße, reich verzweigte Strauch wird bis zu 7 Meter hoch. Seine Zweige stehen ungeordnet und weit ausgreifend ab. Die Rinde ist anfangs glatt und grau, später rissig und rötlich überlaufen. Typisch sind die auffälligen Korkleisten an den Zweigen. Die Blätter sind länglich lanzettlich und fein gesägt. Das im Sommer grüne Blatt wird im Herbst erst gelblich, dann leuchtend rot. Das Pfaffenhütchen blüht im Mai in hellgrünen oder gelben Trugdolden, später erscheint dann die rosa bis lilarote vierteilige Frucht, die dem Strauch den Namen gibt.
Alle Teile der Pflanze sind giftig!!
Schwarzer Holunder
gefurcht, an älteren Sträuchern sehr korkig. Das Blatt ist wie das der Esche gefiedert. Es teilt sich aber nur in ein bis drei Fiederblätter, die oval zugespitzt sind. Das dunkelgrüne Blatt ist unterseits hellgrün und schwach behaart. Die gelblich-weiße, schirmförmige Blüte des Holunders kann man im Juni und Juli sammeln, um sie als Sirup anzusetzen oder um sie in Pfannkuchenteig auszubacken (Holderküchle). Die schwarzvioletten Früchte lassen sich zu Saft, Gelee oder Marmelade verarbeiten.
Ulme
Ulmen gehören zu den ursprünglich weit verbreiteten, aber wenig bekannten Laubbäumen Mitteleuropas. Verbreitet sind Feldulme, Flatterulme und Bergulme. Der Baum, der ein wertvolles Holz liefert (Rüster genannt) kann eine Höhe bis zu 35 Metern erreichen. Die an das Laub des Haselstrauches erinnernden Blätter sind wechselständig angeordnet. Dadurch ist die Ulme leicht von anderen Baumarten unterscheidbar. Die Feldulme ist für Auwälder und Galeriewälder vor allem auf kalkhaltigen Böden typisch. Sie existiert aber auch in anderen Mischwäldern und kann auch in Trockenwäldern vorkommen. Auch die Flatterulme besiedelt Auwälder oder andere Areale mit hohem Grundwasserstand. Die Bergulme weist breitere Blätter auf als die Feldulme und ist im Tiefland ebenso anzutreffen wie im Hügel- und Bergland (bis etwa 1300 Meter Höhe). Im Mettertal ist vor allem die Feldulme verbreitet.
Au- und Galeriewald – Die Krautschicht im Frühjahr
Wo es schon früh blüht und grünt
Als „Auwald“ bezeichnet man eine natürliche Pflanzengesellschaft entlang von Gewässern. Auwälder sind stark beeinflusst von gelegentlichen Überschwemmungen und hohen Grundwasserpegeln und unterscheiden sich dadurch von benachbarten Waldgesellschaften, denn nicht jede Baumart erträgt „nasse Füße“. Typisch sind vor allem Weiden und Erlen und auch Eschen.
Im Frühjahr – wenn die Bäume noch ohne Laub sind – blühen in der Krautschicht des Auenwaldes die „Geophyten“ (griech. „Erdpflanzen“). Dies sind mehrjährige krautige Pflanzen, die ungünstige Lebensbedingungen (im Winter zu kalt, im Sommer zu wenig Licht) mit Hilfe unterirdischer Speicherorgane wie Knollen, Zwiebeln oder Rhizome überstehen. Sie blühen schon sehr früh im Jahr („ Frühlings-Geophyten“ ), solange die noch kahlen Bäume Licht bis zum Boden durchlassen und lagern danach Nährstoffe in ihre Speicherorgane ein. Im Sommer, wenn das „Laubdach“ der Bäume geschlossen ist, ist von den Frühblühern nicht mehr viel zu sehen. Doch dank der unterirdisch gespeicherten Nährstoffe erscheinen sie uns als blühende Frühlingsboten im kommenden Jahr wieder.
Typische Pflanzen der Krautschicht
Bärlauch
Schon am Geruch ist der Bärlauch zu erkennen und damit zu unterscheiden; denn er darf nicht mit den oft im selben Lebensraum vorkommenden giftigen Arten Maiglöckchen oder Herbstzeitlose verwechselt werden. Verwandt ist das Gewächs mit Knoblauch, Zwiebel und Schnittlauch. Die Blütezeit der 20 – 30 Zentimeter hohen Pflanze erstreckt sich von März bis Anfang Mai.
Hohler Lerchensporn
Indisches Springkraut
Das Indische Springkraut zählt zu den invasiven, sprich „eingewanderten“ Arten. Ursprünglich stammt die Pflanze aus der Himalaya-Region Ostindiens. Über botanische Gärten in England gelangte sie nach Europa und verbreitete sich rasch. Mit Höhen von bis zu zweieinhalb Metern erreicht das Indische Springkraut ein stattliches Wachstum, sehr auffallend sind auch die blassrosa bis purpurroten Blüten, die an Orchideen erinnern: Voller Nektar locken sie zahlreiche Honig- und Wildbienen, Hummeln sowie Schwebfliegen an. Ist die Frucht ausgereift, platzt sie bereits bei leichtester Berührung auf und verteilt die unzähligen Samen mit einem Schleudermechanismus weit in die Gegend. Allerdings überwuchert diese Pflanze sehr stark andere Ufervegetationen und verändert Lebensräume nachteilig, da heimische Arten verdrängt werden.
Schneeglöckchen
Das Schneeglöckchen gehört zu den Amaryllisgewächsen. Da das kleine Pflänzchen gespeicherte Kraft aus seiner unterirdischen Zwiebel ziehen kann, blüht das Schneeglöckchen sehr früh, durchsticht manchmal noch Schneereste. Der Blütenbeginn des Schneeglöckchens zeigt phänologisch den sog. „Vorfrühling“ an.
Sicherheitshinweis: Die Begehung erfolgt auf eigene Gefahr.


















