Station 9 – Kopfweiden
Kopfweide – Ein Name und seine Herkunft
Als Kopfweiden werden Weiden – etwa Silberweiden oder Bruchweiden – bezeichnet, deren Stamm (auf Schulterhöhe) immer wieder abgesägt wird. Neben den Schnittflächen bildeten sich neue Triebe in Form von dünnen Ruten aus, die leicht abgeschnitten und vielfach verwendet werden konnten. Genutzt wurden die Ruten für Korbflechtereien sowie als Bau- und Verbindungsmaterial. Besonders dünne und biegsame Ruten werden bis heute in manchen Weinbergen noch zum Anbinden von Reben verwendet. Ihre wirtschaftliche Bedeutung haben Kopfweiden mittlerweile verloren, als Biotop sind sie jedoch von unschätzbarem Wert. Im weichen Holz bilden sich durch Regen, Frost und Pilze im Laufe der Zeit Höhlen, die verschiedenen Vogelarten als Brutplatz dienen. Für Wildbienen und Hornissen werden Kopfweiden zu Überwinterungsstätten und für Käfer und Falter sind die Hohlräume perfekte Rückzugsorte.
Warum „Kopf“-Weide?
Kopfbäume sind keine Baumart, sondern Kennzeichen einer traditionellen Baumnutzung. Aufgrund seiner Klimagunst und der guten Böden ist der Landkreis Ludwigsburg durch Ackerbau geprägt und aufgrund früherer Rodungen heute der waldärmste Kreis in Baden-Württemberg. Zu Zeiten, in denen weder Gas noch Öl noch Strom zum Heizen und Kochen zur Verfügung standen (vielfach noch bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts) und Eier-Kohle sowie Briketts für die Leute zu teuer waren, war Holz Hauptenergielieferant und sehr begehrt.
In waldarmen Gegenden kamen die Menschen deshalb schon vor vielen Jahrhunderten auf die Idee, junge Weiden (oder andere Laubbaumarten, die sehr gut wieder austreiben wie z.B. Pappeln) einfach abzusägen und dann alle paar Jahre die an der Schnittfläche nachgewachsenen Äste abzusägen! Nach jeder „Ernte“, verdickt sich der oberste
Stammabschnitt und bildet den namensgebenden Kopf aus. Je höher der verbleibende Stamm, desto weniger konnte weidendes Vieh die jungen Triebe abfressen – und desto höher ist heute der ökologische Wert alter Bäume.
Typisch Tiere
Weidenbohrer
Der Weidenbohrer ist ein Nachtfalter aus der Familie der Holzbohrer. Weidenbohrer erscheinen von Mai bis September, fliegen nur nachts und schmiegen sich tagsüber an die Baumrinde. Das Weibchen legt ihre Eier auf die raue Rinde absterbender Bäume. Von dort aus bohren sich die roten Raupen tief ins Holz vor. Befallene Bäume erkennt man an rundovalen Bohrlöchern in der Rinde des Baumes. Dort ist das grobe, rötliches „Bohrmehl“ der Raupen zu sehen, Ein Befall führt zunächst zu welkenden Blättern und verdorrten Zweigen, auf Dauer führt ein Befall von Weidenbohrern zum Absterben des Baumes. Weidenbohrer wählen für ihre Eiablage bevorzugt Weiden aber auch Apfel- und Birnenbäume aus.
Moschusbock
Der Moschusbock hat seinen Namen erhalten, weil die Käfer ein Sekret absondern können, das moschusartig riecht und das früher zum Parfümieren von Pfeifentabak benutzt wurde.
Die Käfer werden bis zu 4 Zentimeter lang, der Körper glänzt metallisch bunt. Ideal für die Eiablage sind Kopfweiden, denn die Larven des buntglänzenden Käfers leben 2–3 Jahre von Weidenholz und anderen Weichhölzern (Pappeln oder Erlen). Die erwachsenen Tiere saugen Saft von Bäumen und fressen gerne Pollen. Weil sie so groß und schwer sind, bevorzugen die Käfer große Blütendolden wie die des Holunders.
Eine eingeschleppte neozoische Art ist der Asiatische Moschusbockkäfer.
Weidenprachtkäfer
Seine Größe mit gerade einmal 6 bis 8 Millimeter ist eher unauffällig, ganz im Gegensatz zur Erscheinung: Der Weidenprachtkäfer glänzt unübersehbar metallisch in allen Regenbogenfarben. Die Larven entwickeln sich in den Hohlräumen alter Weiden sowie unter der Rinde von Eichen und Ahorn. Da die Art mittlerweile sehr selten ist und in einigen Regionen sogar als verschollen oder ausgestorben gilt, steht der Weidenprachtkäfer unter besonderem Schutz.
Steinkauz
Die zwischen 20 und 23 Zentimeter große Eule hat eine Flügelspannweite von 53 – 57 Zentimetern und ein Gewicht von 160 – 240 Gramm (Männchen) bzw. 170 – 250 Gramm (Weibchen). Der Steinkauz ist im Kreis Ludwigsburg wie im gesamten Mittleren Neckarraum eine Charakterart der Obstwiesen, wo der kleine Kauz alte Baumhöhlen oder spezielle Niströhren besiedelt. Im Norddeutschen Tiefland und auch anderen Gegenden Europas bewohnt der Steinkauz vielfach die Höhlen der Kopfweiden und Kopfpappeln. Auch im Metter- und im Enztal „verstecken“ sich Steinkäuze dann und wann in Kopfweiden. Der Steinkauz erbeutet Mäuse sowie Käfer, Grillen, Regenwürmer, Amphibien und Reptilien und mitunter auch Vögel wie Sperling und Star.
Zaunkönig
Mit einem Fliegengewicht von gerade einmal zehn Gramm zählt der Zaunkönig zu den kleinsten Vögeln Europas. Im Unterholz von Hecken, Büschen und Feldgehölzen sorgt das rostbraune Gefieder für eine perfekte Tarnung – eine besonders wichtige Eigenschaft für den schlechten Flieger, der sich häufig am Boden aufhält. Einer Sage zufolge wurde der Zaunkönig von allen Vogelarten zum König gewählt, nachdem dieser fliegend höchste Höhen erreichte … auf dem Rücken eines Adlers, der den kleinen Vogel dank dessen minimalen Gewichtes schlichtweg nicht bemerkte.
Sicherheitshinweis: Die Begehung erfolgt auf eigene Gefahr.








